St. Marien Droyßig

Geschichte

Die Geschichte der katholischen Kirche in Droyßig ist eng mit den religiösen und gesellschaftlichen Veränderungen seit der Reformation verbunden. Bereits 1539 nahm der letzte katholische Probst in Droyßig, Georg Lutze, die Reformation an. In den folgenden Jahrhunderten war die Bevölkerung des Ortes fast vollständig evangelisch geprägt. Die evangelische Kirche übernahm damals auch wichtige staatliche Aufgaben: Sie führte bis 1871 die Personenstandsregister (Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle) und hatte bis 1918 die Schulaufsicht.

Veränderungen im 19. Jahrhundert/Bau der Kirche

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts veränderte sich die konfessionelle Struktur der Region deutlich. Zwei Entwicklungen waren dafür besonders wichtig:

  • Aufhebung der feudalen Lasten: Bauern mussten keine Frondienste mehr leisten. Stattdessen wurden Landarbeiter angeworben, häufig aus Polen, die überwiegend katholisch waren.
  • Industrialisierung im Raum Zeitz: Besonders der Ausbau der Braunkohleindustrie zog viele Arbeitskräfte aus anderen Regionen an – darunter ebenfalls zahlreiche Katholiken.

So entstand in der überwiegend evangelischen Gegend nach und nach wieder eine katholische Gemeinde.

Am 1. Juli 1906 wurde in Droyßig erstmals seit der Reformation wieder eine katholische Messe gefeiert. Sie fand im Saal des Gasthofs „Zum Adler“ statt und wurde von etwa 120 Gläubigen besucht – Einheimischen und Saisonarbeitern.

Der damalige Gutsherr Prinz Heinrich von Schönburg-Waldenburg unterstützte diese Entwicklung. Er setzte sich für die seelsorgerische Betreuung der

katholischen Arbeiter ein und beteiligte sich an den Kosten für Gottesdienste und Religionsunterricht. Gleichzeitig gab es in der Region auch Widerstand gegen die Bildung einer katholischen Gemeinde.

Bau der Kirche (1909–1910)

Die Initiative zum Bau einer eigenen Kirche ging von der katholischen Kirchengemeinde Zeitz aus. Das Baugrundstück wurde zunächst verdeckt durch einen Landwirt aus dem Umfeld des Zeitzer Pfarrers erworben.

  • 29. Juni 1909: Grundsteinlegung
  • 15. September 1909: Richtfest
  • 1. Mai 1910: Kirchweihe

Die Kapelle wurde der „Seligen Jungfrau Maria von der immerwährenden Hilfe“ geweiht. Die Baukosten betrugen etwa 16.000 Mark.

Der Entwurf stammt vom Leipziger Architekten Clemens Lohmer. Die Kirche wurde aus sichtbarem Bruchsteinmauerwerk errichtet und besitzt einen kleinen Dachreiter mit zwei Glocken. Viele örtliche Handwerksbetriebe aus Droyßig waren am Bau beteiligt.

Ausstattung der Kirche

Ursprünglich war die Kirche im neugotischen Stil ausgestattet, mit Hauptaltar, zwei Seitenaltären und Figuren von Herz Jesu sowie Maria mit Kind. Von der ursprünglichen Einrichtung sind heute vor allem noch die Kirchenbänke erhalten.

Besondere Kunstwerke in der Kirche sind:

  • ein Flügelaltar aus der Zeit um 1500, der seit 1964 als Leihgabe in der Kirche steht und mehrfach restauriert wurde
  • ein Taufstein mit Weihwasserbecken des Dresdner Künstlers Friedrich Press
  • bleiverglaste Chorfenster aus der Bauzeit, mit Darstellungen Mariens und biblischen Symbolen

Veränderungen nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil

Nach den Liturgiereformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) wurde der Innenraum teilweise neu gestaltet. Der heutige Altar besteht aus Sandstein und ist als schlichter Tisch ausgeführt, während der Tabernakel seitlich in die Wand eingelassen ist.

Auch neue Kreuze und weitere Gestaltungselemente kamen später hinzu, darunter zwei Kreuzdarstellungen aus dem Jahr 1996.

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